Benefizauktion als Gast: Regeln, Ablauf und Etikette
Was Sie als Gast einer Benefizauktion wissen sollten: wie stille und offene Gebote ablaufen, wozu ein Gebot verpflichtet und was ein Los üblicherweise kostet.

Sie sind zu einer Benefizauktion eingeladen, und irgendwo zwischen der Einladung und dem Abend selbst bildet sich eine kleine Frage: Was passiert eigentlich, wenn ich im falschen Moment die Hand hebe? Dieser Text ist für Gäste geschrieben. Wer den Abend organisiert, darf ihn gern vorher herumschicken – die meiste Unsicherheit im Saal entsteht daraus, dass niemand den Ablauf kennt.
Wie der Abend aufgebaut ist
Bei einer Benefizauktion werden gespendete Gegenstände, Erlebnisse und Versprechen an den Höchstbietenden abgegeben, und der Erlös geht an den Zweck. Fast jeder Abend hat zwei Hälften, und die funktionieren unterschiedlich.
Die stille Auktion umfasst meistens zwölf bis zwanzig Lose, die alle gleichzeitig offen sind – manchmal für eine Stunde, manchmal über den ganzen Abend. Geboten wird schriftlich auf einem Zettel neben dem Los oder, inzwischen häufiger, vom eigenen Handy aus. Die offene Auktion besteht aus vier bis sechs Losen, die vorne von einem Auktionator ausgerufen werden; zusammen dauert das etwa eine halbe Stunde. Vorne stehen die teuren Lose. Ihr Geld geben die meisten Gäste aber in der stillen Auktion aus.
Die Preise streuen weiter, als Neulinge erwarten. Im Gemeindesaal, im Vereinsheim oder in der Turnhalle liegen die meisten stillen Lose zwischen 50 und 400 Euro, ein Spitzenlos vorne kann vierstellig werden. Und niemand schaut Sie schief an, wenn Sie 30 Euro auf einen Kuchen bieten.
Ein Gebot ist ein Versprechen
Das ist die einzige Regel, auf die es wirklich ankommt. Jedes Gebot verpflichtet Sie, diesen Betrag zu zahlen, wenn Sie das Los bekommen. Es ist keine Interessensbekundung und kein Platzhalter.
Damit sind drei Dinge vom Tisch, die Menschen tun, ohne lange darüber nachzudenken. Bieten Sie nicht mit, um den Preis für einen Bekannten hochzutreiben – irgendwann bleiben Sie darauf sitzen, und die Geschichte begleitet Sie jahrelang. Bieten Sie nicht in der Annahme, dass schon jemand überbieten wird; die letzten drei Minuten einer stillen Auktion sind stiller, als sie aussehen. Und bieten Sie keinen Betrag, der Ihnen am Montag leidtut, denn eine offene Rechnung trifft am Ende den Verein.
Wenn Sie doch einmal etwas gewinnen, das Sie wirklich nicht bezahlen können, sagen Sie es dem Kassenwart noch am selben Abend und nicht in der Woche darauf. Solange alle im Saal sind, lässt sich ein Los leise dem Zweitbietenden anbieten. Mit einer Mail am Mittwoch kann niemand mehr viel anfangen.
So funktioniert die stille Auktion
- Zu jedem Los stehen eine Beschreibung, ein geschätzter Wert, das aktuelle Höchstgebot und der Bietschritt. Üblich sind 5 Euro bei kleinen und 25 Euro bei größeren Losen.
- Das Startgebot liegt bewusst niedrig, oft bei etwa einem Drittel des geschätzten Werts, damit das erste Gebot leichtfällt. Ein niedriges Startgebot ist kein Urteil über das Los.
- Bei vielen Auktionen bieten Sie, indem Sie einen QR-Code neben dem Los scannen. Meist gibt es weder App noch Konto; Sie tragen Namen und Betrag ein. Wie das im Detail abläuft, steht auf der Seite So funktioniert es.
- Sie können bis zum angekündigten Schluss jederzeit überboten werden.
- Manche Auktionen arbeiten mit einer weichen Endzeit: Ein Gebot in der letzten Minute verlängert die Uhr um ein, zwei Minuten. Fragen Sie zu Beginn nach, welche Variante gilt – das ändert, wie Sie den Schluss spielen sollten.
Das Muster ist in fast jedem Saal dasselbe. Eine Stunde lang passiert wenig, und in den letzten zehn Minuten passiert sehr viel. Warum das so ist, steht ausführlicher in Warum die letzten zwei Minuten die halbe Summe bringen. Für Sie als Gast heißt es nur: Wenn Sie ein Los wirklich wollen, verbringen Sie diese zehn Minuten nicht an der Theke.
Eine Kassenwartin eines Sportvereins schaute bei ihrem Sommerfest um zehn vor zehn auf die Leinwand und sah, dass elf von achtzehn Losen genau ein Gebot trugen – alle in den ersten zwanzig Minuten von denselben vier großzügigen Leuten abgegeben. Sie bat den Auktionator, zweimal laut zu sagen, dass um halb elf Schluss ist und elf Lose noch beim Startgebot stehen. In den vierzig Minuten danach verdoppelte sich die Summe ungefähr. Gäste sind selten geizig. Sie sind beschäftigt.
So funktioniert das Bieten im Saal
Der Auktionator stellt das Los vor, bittet um ein Startgebot und ruft den Preis in Schritten nach oben. Heben Sie die Hand oder die Bieterkarte deutlich und halten Sie sie eine Sekunde oben. Ein halb gehobenes Glas in der letzten Reihe eines lauten Saals ist kein Gebot und wird niemanden zum Nachfragen bringen. Wenn Sie aussteigen wollen, schütteln Sie einmal den Kopf und schauen weg; das versteht man überall.
Sie kaufen nichts aus Versehen, weil Sie sich am Ohr kratzen. Ein ehrenamtlicher Auktionator fragt bei jedem Gebot nach, bei dem er sich nicht sicher ist. Und wenn Sie übersehen werden, rufen Sie die Zahl einfach laut. Das nimmt Ihnen niemand übel.
Wollen Sie und Ihr Tischnachbar dasselbe Los, klären Sie vorher, wer bietet. Zwei Gäste an einem Tisch, die gegeneinander bieten, sind der häufigste Grund dafür, dass ein Los mehr kostet, als beide zahlen wollten – und es ist die einzige Art, zu viel zu zahlen, die hinterher keine gute Geschichte ergibt.
Etikette, die den Abend besser macht
- Bieten Sie früh auf irgendetwas, auch auf etwas Kleines. Ein Los mit einem Gebot bekommt sehr viel leichter ein zweites als ein Los mit keinem. Ein frühes Gebot, das Sie später verlieren, hat trotzdem gearbeitet.
- Verlieren Sie freundlich. Gratulieren Sie dem Gewinner. Sie haben beide für dieselbe Sache gespendet; einer von Ihnen muss zusätzlich noch einen Präsentkorb unterbringen.
- Verhandeln Sie nicht nach dem Zuschlag. Der Preis ist der Preis, und der Ehrenamtliche an der Kasse dürfte ihn ohnehin nicht ändern.
- Seien Sie während der offenen Lose leise. Der Rhythmus des Auktionators ist der Motor des Abends, und ein Tisch, der dazwischenredet, kostet den Verein echtes Geld.
Was im Gebot nicht enthalten ist
Lesen Sie das Kleingedruckte, bevor der Preis interessant wird, nicht danach. Ein Restaurantgutschein schließt vielleicht die Getränke aus. Ein gerahmtes Bild muss womöglich vierzig Kilometer entfernt abgeholt werden. Ein Versprechen wie ein Nachmittag Gartenarbeit oder ein Abendessen, bei Ihnen zu Hause gekocht, hat ein Ablaufdatum, meist zwölf Monate. Manche Lose sind übertragbar und lassen sich verschenken, andere nicht. Wenn Ihnen die Begriffe auf der Leinwand fremd vorkommen, hilft die Übersicht Auktionsbegriffe erklärt.
Bezahlen und Mitnehmen
Gewinner zahlen entweder noch am Abend an der Kasse oder bekommen innerhalb weniger Stunden einen Zahlungslink per Mail. Zahlen Sie möglichst am selben Abend. Geld hinterherzutelefonieren ist die unangenehmste Aufgabe im ganzen Verein, und sie landet fast immer bei der Person, die schon am meisten getan hat.
Nehmen Sie Gegenstände mit, wenn es geht; alles, was stehen bleibt, ist zwei Wochen lang das Kofferraumproblem eines Ehrenamtlichen. Bei Gutscheinen und Versprechen tragen Sie das Ablaufdatum noch in derselben Woche in den Kalender ein und vereinbaren Sie den Termin früh.
Wenn das Budget klein ist
Nicht jeder im Saal hat 200 Euro übrig, und ein gut gebauter Katalog weiß das. Deshalb enthält ein guter Abend drei bis sechs Lose unter 50 Euro: einen Kuchen, eine Autowäsche, zwei Karten für etwas in der Nähe. Bieten Sie darauf ohne Verlegenheit. Genau dafür sind sie da, und sie sorgen dafür, dass der Saal großzügig wirkt und nicht exklusiv.
Läuft an demselben Abend eine Tombola, gelten dafür eigene Regeln, die nichts mit der Auktion zu tun haben. Es lohnt sich, beim Veranstalter kurz nachzufragen, wie sie bei ihm gehandhabt wird.
Worum es geht
Die besten Gäste bieten etwas mutiger, als sie es im Laden täten, denn der Unterschied zwischen Preis und Wert ist die Spende.
Und falls Sie das hier von der anderen Seite lesen, weil Sie so einen Abend organisieren statt ihn zu besuchen: Dieselben Fragen kommen jedes Mal. Für Elternbeiräte und Schulen gibt es eigene Hinweise, ebenso für Wohltätigkeit und Galas. Die Etikette von oben erledigt man am besten mit drei Sätzen ins Mikrofon, gleich zu Beginn des Abends.
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